Schulpolitik in NRW

Ein Beitrag von Martin Berg, schulpolitischer Sprecher

Bildung entscheidet ganz wesentlich über Lebenschancen. Deshalb ist es wichtig, die Bedingungen in unseren Schulen zu verbessern, aber auch allen Kindern gerechte Chancen für den Besuch von Bildungseinrichtungen und den Erwerb von Kompetenzen zu ermöglichen.

Was so einfach klingt, ist nicht immer einfach umzusetzen. Da ist man gespannt zu erfahren, wie es Rot/Grün in NRW angeht. Als erstes wird versucht all das, was die CDU mit Bedacht aufgebaut hat, wieder abzureißen. Das führt zu Chaosstimmung unter Schülern und Eltern. Beispiel: G8 oder G9.

Die CDU hat G8 eingeführt. Das passt nicht ins Weltbild von Frau Kraft. G9 muss wieder her. Doch das geht nicht mehr so einfach. Erst sollten die Gymnasien die Wahlfreiheit haben, wie lang der Weg zum Abitur sein soll. Das ist aber unter pädagogischen und organisatorischen Gesichtspunkten nicht durchführbar. Wie will man da noch einen Schulwechsel sinnvoll einleiten? Weil völlig unpraktikabel, wurde diese Idee verworfen. Jetzt sollen sich die Gymnasien verbindlich entscheiden, welche Regel bei ihnen in Zukunft gilt. Doch das löst die Probleme genauso wenig, denn die Rückkehr zu G9, neues Modell, soll den Schultag der Schüler nicht kürzen. Und was wäre, wenn ein Gymnasium beides gleichzeitig anbietet, auch das soll möglich sein. Noch mehr Chaos!

All dies soll nur als “Schulversuch” laufen. Doch was soll eigentlich versucht werden? G9 kennt doch jeder. Und dann dieser Zeitdruck: Die Entscheidung der einzelnen Schule soll in wenigen Wochen vorliegen. Wen wundert’s: Die Zahl der Gymnasien in NRW, die wieder G9 einführen wollen, ist nicht zweistellig. Fazit: Die Verunsicherung der Eltern ist heute mit Händen zu greifen. Das ist kein haltbarer Zustand, sondern gewollte Orientierungslosigkeit durch die neue Landesregierung.

Elternwille entscheidet

Weiteres Beispiel: Gemeinschaftsschule. Am 20. September hat die neue Landesregierung die Gemeinschaftsschule auf den Weg gebracht. Wie dieser Schritt auch begründet wird, im Ergebnis ist das der Beginn der Einheitsschule auf dem Schleichweg. Das muss allen klar sein. Pikant ist, dass das alles ohne Votum des Landtags erfolgt und zwar auch mit dem Instrument des Schulversuches. Wenn die neue Landesregierung laut Koalitionsvertrag 30 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in Gemeinschaftsschulen umwandeln will, ist das bei dem Umfang aber kein Versuch mehr, das ist ein Bruch mit dem bisherigen Status quo, der ohne ein Votum des Landesgesetzgebers Fakten schafft. Wenn Schulen jetzt noch mit weniger Unterrichtsstunden für Lehrer, mehr Lehrerstellen und einer besseren Ausstattung geködert werden, dann macht das die Sache noch brenzliger. Ohne Abstriche bei den übrigen Schulformen wird das nicht gehen. Sollte in Zukunft auch in Bonn die Frage nach der Errichtung einer Gemeinschaftsschule akut werden, so ist für uns der Elternwille maßgeblich. Dies gilt auch für die Errichtung von weiteren Gesamtschulen. Wenn die CDU jetzt der Errichtung einer neuen 5. Gesamtschule zustimmt, dann ist das sachgerecht. 300 abgewiesene Bonner Schülerinnen und Schüler bei Gesamtschulen sprechen eine deutliche Sprache.

Thema: Längeres gemeinsames Lernen

Längeres gemeinsames Lernen ist sicher für manche Schüler gut, es gibt aber auch viele Kinder, die besser in einem differenzierten Schulsystem gefördert werden können. Das erfordert ein vielfältiges Schulangebot, das die Stadt Bonn auch anbietet.
Die Pläne der SPD, manifestiert auf einem Parteitag in 2007 “in der Perspektive ein vollständig integratives System anzubieten, das bis zum ersten qualifizierten Abschluss am Ende der Sekundarstufe I führen soll”, lehnen wir entschieden ab. Wir wollen keine Einheitsschule, wir wollen Schulvielfalt, wir wollen, dass es qualitativ hochwertige und den unterschiedlichen Begabungen und Interessen unserer Kinder entsprechende Bildungsangebote gibt. Zu diesem Bildungsangebot gehören natürlich auch Gesamtschulen.

Thema: Ganztag

Der weitere Ausbau von Ganztagsschulen war bereits Programm der alten Landesregierung. Die CDU-Fraktion hat diesen Ausbau in Bonn konkret forciert und wird das auch weiterhin tun. Ich erinnere daran, dass wir auch stets dafür eingetreten sind, dass die 4. Gesamtschule Ganztagsschule wird. Was im Grundschulbereich schon weit fortgeschritten ist, muss jetzt aber auch auf den weiterführenden Schulen viel stärker angeboten werden. Hier liegt eine der Hauptaufgaben für die kommenden Jahre.